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Die Rollen müssen neu verteilt werden

Die Digitalisierung ist eine industrielle Revolution. Märkte werden durch neue Technologien aufgebrochen und verändert, herkömmliche Produkte und Dienstleistungen abgelöst, und etablierte Systeme müssen neu gedacht werden. Auch das Gesundheitssystem ist im Wandel und verändert sich grundlegend. Künftig erfolgreich ist, wer frühzeitig auf den Wandel reagiert und umdenkt.

So, wie sich im Rahmen der Digitalisierung die technischen Möglichkeiten stetig wandeln und weiterentwickeln, ändert sich auch der daraus resultierende Anspruch an das Gesundheitswesen und an die Medizintechnik.

Gemessen an der Lebenserwartung ging es den Menschen nie besser als heute. Die Lebensumstände, und vor allem der medizinische Fortschritt, haben seinerzeit tödliche Krankheiten zurückgedrängt oder sogar besiegt. Mit den verbesserten Lebensumständen sind aber auch Lebensstilkrankheiten, beispielsweise Typ 2 Diabetes, aber auch Autoimmun-Erkrankungen, etwa Polyarthritis oder Morbus Crohn, auf dem Vormarsch.

Dazu kommt ein zu beobachtender Verhaltenswandel aufseiten der Anwender. Viele Patienten haben grosses Vertrauen in den technischen Fortschritt im Medizinbereich. Dies eröffnet dem Markt und uns als Unternehmen die Möglichkeit, innovative medizintechnische Lösungen zur Selbstbehandlung anzubieten. Das Thema Adhärenz des Patienten, also die Therapietreue, wird die Entwicklung von Injektions- und Infusionssystemen in den nächsten Jahren bestimmen. Mit unseren SmartDevices, etwa dem SmartPilot für den YpsoMate Autoinjektor, und der Vernetzung der Ypsomed Diabetescare Produkte rund um die Insulinpumpe mylife YpsoPump, können wir schon heute die Themen Adhärenz und selbstverantwortliche Therapie zu einem grossen Teil bedienen. Unsere technologischen Entwicklungen unterstützen dabei die Menschen, die sich für ihre Therapie selbst verantwortlich fühlen.

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Verhaltensweisen und Ansprüche der Patienten. Sie durchbricht auch lang etablierte Beziehungsgeflechte zwischen den Akteuren im Gesundheitssystem. Verantwortungen, Aufgaben und Erwartungen der einzelnen Akteure verändern sich zunehmend. Die traditionelle Rollenverteilung wird dem digitalen Wandel nicht mehr gerecht, und die Rollen müssen zum Teil neu definiert werden.

Digitalisierung bedeutet für uns:

  • Anwendung neuartiger digitaler Technologien zur Steigerung des Therapieerfolgs
  • Möglichkeiten der Differenzierung durch neuartige serviceorientierte Geschäftsmodelle
  • Kollaboration mit Partnern ausserhalb traditioneller Industriegrenzen
  • Schaffung neuer Mechanismen für die Interaktion mit Patienten und Integration verschiedener Anspruchsgruppen
Was digitalisierung für uns bedeutet
Was digitalisierung für uns bedeutet

Gemeinsam über das Gleiche reden

Digitalisierung betrifft nicht nur uns als Herstellerin von Injektions- und Infusionssystemen. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen betrifft alle Anspruchsgruppen: Vom Medikamentenhersteller, über das medizinische Fachpersonal bis hin zu den Patienten. Umso wichtiger ist es, dass alle betroffenen Akteure ein gemeinsames Verständnis von der Zukunft im Gesundheitswesen haben
und die Rollen klar bestimmt werden.

Es geht bei der Digitalisierung nicht nur darum, Daten zu sammeln und zu speichern. Der Schlüssel zum Erfolg künftiger Innovationen ist es, die Daten mehrwertschaffend zu integrieren und zu verarbeiten. Nur auf dieser Grundlage sind automatisierte Systeme möglich. Die Daten müssen dazu zu verwertbaren Informationen und schliesslich zu Wissen werden, das in der Therapie gewinnbringend eingesetzt werden kann. SmartDevices sind Bestandteile integrierter Systeme und übertragen die Daten vom Patienten in das System. Das System wertet die Daten aus, interpretiert diese und überträgt die Therapieempfehlung zum Beispiel zurück an die SmartDevices und somit an den Patienten.

Fünf Schritte in die Zukunft

Im Segment Ypsomed Diabetes Care gehen wir mit dem mylife YpsoPump System schon einen guten Schritt in diese Richtung. Mit der drahtlosen Verbindung der Insulinpumpe und der Blutzuckermesssysteme sind wir schon heute in der Lage, über die mylife App den Anwendern basierend auf aktuellen Insulin- und Blutzuckerdaten Therapievorschläge zu liefern. Voraussetzung für künftige automatisierte Systeme ist es, die gesammelten Daten zu bündeln und als therapieeingreifende Massnahme automatisch an die Insulinpumpe zurückzusenden beziehungsweise als Therapievorschlag dem Patienten zur Verfügung zu stellen. Bei Ypsomed sprechen wir in diesem Zusammenhang vom SmartLoop.

Um die gesammelten Daten zu Therapiezwecken nutzen zu können, müssen moderne Systeme zur Verabreichung von Medikamenten fünf Schritte bedienen können. Im Fall der automatisierten Insulinpumpen-Therapie bedeutet das konkret:

  1. Medizinprodukte müssen in der Lage sein, Therapiedaten zu sammeln und zu speichern.
  2. Über eine drahtlose Anbindung der Produkte werden die gesammelten Daten direkt oder via Mobiltelefon an Plattformen, etwa Cloud-Lösungen, gesendet.
  3. Dort werden die Daten verschiedenster Quellen integriert, um aussagekräftige Muster und Therapieverhalten zu erkennen und zu interpretieren.
  4. Auf der Grundlage der interpretierten Daten kann der Arzt Therapieanpassungen vornehmen, oder eine App könnte Vorschläge direkt an den Nutzer senden.
  5. Der Patient oder der Arzt kann diese Therapievorschläge digital einsehen und als Therapiehandlung akzeptieren oder verwerfen. Denkbar ist auch, dass das Gerät in der Lage ist, auf Grundlage der interpretierten Daten automatisch die Therapie der Patienten zu steuern, anstelle einer manuellen Korrektur.
Fünf Schritte der automatisierten Insulinpumpen-Therapie

Im Segment Ypsomed Delivery Systems ist die Übersetzung dieser fünf Schritte komplexer, weil eine grössere Anzahl von Akteuren involviert ist. Die meisten Pharmaund Biotechunternehmen haben ihr eigenes Verständnis von Digitalisierung und von dem, was am Markt zukünftig gefragt sein wird. Um erfolgreich zu sein, müssen die verschiedenen Anspruchsgruppen zusammenarbeiten und
ein gemeinsames Verständnis entwickeln.

Aufseiten der Kostenträger besteht jedoch wenig Motivation dazu. Die meisten Kostenträger sind regional orientiert und auf administrativer Seite zu stark eingebunden, um eine globale Lösung zu entwickeln. Pharmafirmen hatten bis dato wenig Interesse an den Therapieverhalten und -daten von Patienten, müssen aber in Anbetracht der sich ändernden Marktansprüche umdenken. Pharmafirmen bringen hier das Wissen im traditionellen Sinne mit, also wie sich das Therapieverhalten auf die Therapie auswirkt. Für die Ärzte wiederum ist es nicht wünschenswert und effizient mit unterschiedlichen Systemen zu arbeiten.

Bleiben die Medizintechnik-Hersteller. Hier sehen wir uns als Herstellerin von Injektionssystemen in der Pflicht, die Vorreiterrolle einzunehmen und die Entwicklung am Markt künftig aktiv mitzugestalten. Wir liefern mit unseren Produkten die Technologie, die Hardware und Services, um die Daten überhaupt erst erfassen zu können, und planen ausserdem die Bereitstellung einer therapieunabhängigen Plattform, die unseren Kunden – den Pharma- und Biotechfirmen – die weitere Verarbeitung erleichtert.

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